Erst Chaos, dann Einsamkeit!

Centieira

Stellplatz

Lat:37.157189 Long:-8.208970

5,00€


Die Nacht war sehr unruhig. Das Wetter tobt, immer wieder Regenschauer und sehr starker Wind. Diesen bekommen wir auf dieser kleinen Insel hier aus erster Hand. Das Mobil ist stark am Schwanken. Aber auch darüber schlafen wir irgendwann ein. Der Morgen ist dann nur noch feucht. Nach dem Frühstück hält uns hier nichts mehr. Wir möchten nach Estói. Ein kleines Dorf, ein paar Kilometer im Landesinneren hinter Faro. Dort gibt es einen Stellplatz, ein Schloss, welches zu einem Hotel umgebaut wurde sowie die Ruinen einer römischen Villenanlage. Das schauen wir uns doch mal an.

Schon auf der Fahrt nach Estói beginnt das Chaos. Wir nehmen lieber die Anfahrt durch enge Straßen mitten durch die Orangenplantagen statt der Hauptzufahrt. Der Stellplatz ist eine Zumutung, kleiner Parkplatz am Sportplatz, welcher mit PKW’s zugeparkt ist. Dort können wir nicht bleiben. Wir umrunden mehrfach den Ort, um schlussendlich das Mobil in einer Seitengasse zu parken. Den Rest machen wir dann erstmal lieber zu Fuß. Da hier alles nicht so riesig ist, finden wir die zwar die Ruinen und das Schloss, aber in Begeisterungsstürme versetzt uns das nicht. Wir brauchen ein neues Ziel.
Erst einmal fahren wir wieder zurück nach Faro. Wir kommen an einem Einkaufscenter vorbei und siehe da, auch einen Decathlon gibt es dort. Na, den fahren wir doch erstmal an. Ein Shirt und eine Jacke geht immer, Claudia bleibt standhaft…

Wieder auf die kleine Insel zu fahren, ist uns zu simpel. Da wir sowieso irgendwann Richtung Westen wollen, machen wir das eben heute. Die Copilotin sucht einen neuen Platz heraus. In dem Dreieck von der A2 und der A22 in Centieira gibt es einen Stellplatz mit super Kritiken. Der soll es sein.
Von der Hauptstraße abzweigend sind es noch 2km. Es geht unter der A22 durch einen breiten Tunnel hindurch, dann wird die Straße einspurig und immer enger. Schön bewachsen ist auch alles, sehr idyllisch, aber nur bedingt für unseren LKW geeignet.

20161108-centieira-003Auf jeden Fall ist der Platz gut ausgeschildert. Noch 200m, dann müssten wir da sein. Wir schleichen dahin, damit die Kratzer der Äste sich nur langsam in den Lack kratzen… Einer pfeift hinter uns her. Oooh, vorbeigefahren. Hier muss es sein. Also Stopp! Der Stellplatzbesitzer Pedro heißt uns herzlich willkommen. Ich rolle bis zur Einfahrt erstmal wieder zurück und sage zu Claudia, sie solle sich alles zunächst einmal anschauen. Pedro erwidert gleich, wenn ihr bis hierhergekommen seid, ist der Rest ein Klacks. Noch die sehr schmale Toreinfahrt am Haus vorbei, dann wird alles großzügig.

20161108-centieira-002Dass wir hierbleiben, war somit schnell geklärt.
Pedro hat übrigens heute Geburtstag, morgen ist große Party und er hat uns dazu gleich herzlich eingeladen. Von den anderen Mitbewohnern werden wir auch sehr freundlich begrüßt. Pedros Frau Michelle ist Holländerin, sie scheint reichlich Reklame in der Heimat gemacht zu haben, denn 3/4 der Gäste sind hier Holländer. Viele waren ganz erstaunt, dass wir nicht extra wegen der morgigen Party gekommen sind, sondern ganz zufällig hier mal vorbei kommen.
Wir kommen dann erst mal an und verdauen den etwas chaotischen Tag.

20161106-centieira-001Nachts fahren ja hier in Portugal kaum Autos, so stört die nahe gelegene Autobahn auch nicht, wir hatten eine geruhsame Nacht, kalt war es aber! Der hupende Bäcker weckt uns am Morgen. Hier ist eben alles organisiert.

Wir bleiben, wollen ja nicht unhöflich sein. Gegen Mittag erkunden wir mit den Rädern noch schnell die umliegenden Orte und ihre Stellplätze, Alte und São Bartolomeo de Messines. Zum Stausee Barragem do Arade bei Silves kommen wir nicht mehr, weil immer wieder ziemlich heftige Schauer niedergehen und wir uns unterstellen müssen. Bergig ist es obendrein auch noch, aber die Landschaft ist atemberaubend und alles sehr grün. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt.
Und heute ist ja auch noch die große Feier, zu der wir sowieso schon viel zu spät dran sind. Als wir zurückkommen sehen wir schon, dass alles völlig zugeparkt ist. Pedro hat nicht übertrieben, es ist wirklich eine sehr große Feier. Das Mittagessen haben wir verpasst, aber wir steigen dann bei Café und Kuchen ein. Wir hatten unseren Spaß, Wein und Gesang gab es auch noch. Gut 60 Personen waren anwesend, Freunde, Bekannte und der komplette Stellplatz. Es war eine schöne Feier. Das Ende kommt dann hier immer sehr abrupt, diese Erfahrung haben wir ja schon mal gemacht. Nächtliche Exzesse gibt es hier nicht. Wir danken Dir noch mal Pedro, war eine tolle Aktion. Beim nächsten Mal wissen wir Bescheid, dann haben wir auch ein Geschenk dabei…

Wir verlängern noch um zwei weitere Tage. Wir haben ja keine Eile und fühlen uns hier sehr wohl.

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20161107-centieira-006Pedro und Michelle tragen ihres dazu bei. Die opfern sich wirklich für den Stellplatz auf. Sie organisieren regelmäßige Events wie Barbecue, Boule, Suppenessen und Einkaufsfahrten. Hier ist der Gast noch König und alles für 5€ inklusive Duschen, V/E, Waschmaschine und Internet. Tolles Angebot. So ganz nebenbei gehen beide noch Vollzeit arbeiten und zwei kleine Kinder haben sie auch. Das Leben in Portugal ist für die Portugiesen nicht gerade einfach…

Streckendetails:

volle Distanz: 80.05 km


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Pezz

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