Ab in die Berge…

Ille-sur-Têt

Stellplatz

Lat:42.681469 Long:2.622802

00,00€

volle Distanz: 64.53 km


Eine gute Entscheidung, den Standort zu wechseln. Unterwegs kaufe ich noch mal ein und frische die Vorräte auf. Den Wein hatte ich schon vorher in Gruissan bei der Kooperative gekauft. Ist dort eine gute Adresse, um guten und auch günstigen Wein aus der Region zu kaufen. Das sollte dann erst mal ein paar Tage reichen.

20151008 Gruissan 001Mein nächstes Ziel ist Ille-sur-Têt, ist nur 65km entfernt. Größte Sehenswürdigkeit sind hier die Orgues, eine markante Gesteinsformation. Am Eingang zu dem Park gibt es einen kleinen einfachen Stellplatz. Ohne alles, aber mit sehr viel Natur, Ruhe und kostenlos. Das passt, hier bleibe ich.

20151009 Ille-sur-Tet 001Die Nacht ist super ruhig und auch kein Sturm mehr. Nach dem Frühstück schaue ich mir den Park an. Schon beeindruckend, was die Natur so aus Wind und Regen alles formt.

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20151009 Ille-sur-Tet 010Man liest immer wieder, dass das hier der Bryce Canyon in klein sein soll. Dazu fehlt mir zwar die Vergleichsmöglichkeit. Aber die „Orgelpfeifen“, so nennt man die Formationen der sich gebildeten Felsen, sie sind sehr schön anzusehen.

20151009 Ille-sur-Tet 006Ich meine, dieses Naturdenkmal ist ein Besuch wert. Gerade auch, weil es nicht auf Ewigkeit so zu betrachten sein wird. Das Gestein ist so lose und bröckelig, das es sich bei jedem Regen verändert und irgendwann wird alles davon geschwommen sein. Obwohl bis dahin sicherlich noch ein paar Jahre vergehen werden!

20151009 Ille-sur-Tet 012Der Vormittag wurde somit kurzweilig verlebt. für den Nachmittag steht eine erste kleine Runde mit dem Rad durch die Berge der Pyrenäen auf dem Programm.

2015-10-08_235630Schon kurz hinter dem Ort fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Keine Orte oder Dörfer mehr, keinerlei Autoverkehr, die absolute Einsamkeit bietet sich einem hier. Man ist hier noch ziemlich küstennah und nicht so richtig hoch. Daher sieht man auch immer wieder Weinreben an der Straßenseite und vereinzelt Obstbäume. Nur wer bewirtschaftet diese? Die Straße geht immer wieder hoch und runter, somit addieren sich die Höhenmeter fast unbemerkt.

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IMG_1769In einem dieser Berge gibt es mit einem Male einen Knall. Ich werde aus der Lethargie des Tretens herausgerissen. Nichts bewegt sich mehr. Was ist passiert? Kette gerissen? Ein kurzer Blick nach unten, nein die hängt noch dran. Aber ein paar Teile liegen auf der Straße, das kleine vordere Kettenblatt ist auseinander gebrochen. Ich schaue erst mal etwas verdutzt drein. Steige ab und schaue mir den Schaden etwas genauer an. Die Kettenblätter sind an der Kurbel mit 5 Schrauben befestigt, von denen sind noch zwei vorhanden. Diese halten ein letztes Stück vom kleinen Kettenblatt und das große. Und locker sind sie obendrein auch noch.
Trotz meines Hüftschadens scheine ich ja noch ganz gut bei Kräften zu sein, wenn das alles einfach so wegbricht. Aber zu Scherzen bin im Moment nun gar nicht aufgelegt…

Ich bin ca. 30km vom Ivo entfernt, in der völligen Pampa der Pyrenäen, es ist fast 17:00Uhr, im Schatten ist es schon jetzt recht frisch und hier kommt morgens und abends höchstens mal ein Auto vorbei.
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich kein Geld dabei hatte, was soll man damit auch hier anfangen und Handyempfang gab es auch nicht, wen hätte ich denn auch anrufen sollen…!?

Erstes Gebot bei Stresssituation, Ruhe bewahren…!
Ich suchte die Straße nach den 3 fehlenden Schrauben ab, es waren aber weit und breit keine zu finden. Die muss ich dann wohl schon vorher verloren haben. Es war aber am Verhalten des Rades überhaupt nichts Auffälliges zu spüren gewesen.
Ich lege die Kette auf das große Kettenblatt und ziehe die Schrauben per Hand, so gut es geht, an. Die Schrauben haben so einen neumodischen Vielzahn als Kopf, so einen Schlüssel hat man natürlich auch nicht mal eben dabei!

Die Fahrradingenieure werden sich schon was dabei gedacht haben, dass die Befestigung der Kettenblätter immer über 5 Schrauben erfolgt, auch bei noch so guter Gewichtsoptimierung sind das immer 5 Stück! Da treten dann wohl doch größere Kräfte auf. Ich stehe nun an einem Berg und versuche anzufahren, habe aber nur das große Kettenblatt zur Verfügung. Dieses dreht sich kaum, ich fahre zick zack, Autos kommen hier ja keine, um überhaupt in Gang zu kommen. Ich traue mich gar nicht richtig mit Kraft in die Pedale zu treten, wenn es jetzt noch mal knack macht, habe ich wohl ein richtiges fettes Problem… und ich würde noch mehr Angst bekommen!

Eben noch war ich euphorisch und beglückt von dieser Gegend und konnte mich gar nicht sattsehen, jetzt verfluche ich sie innerlich und wünsche mir eine kleine Werkstatt, wo ich zu mindestens noch ein paar Schrauben reindrehen könnte. Es kam aber keine, gibt ja keine Orte. An den Anstiegen hatte ich kaum Schrittgeschwindigkeit, ja nicht zu viel Kraft einsetzen. Ich kurvte jetzt immer so zwischen 600 und 800 Höhenmetern herum. Der Ivo stand bei 200, es musste also irgendwann mal bergab gehen. Nach einer schier endlosen Zeit kam auch dieser Moment. Somit konnte ich bis vor das Mobil rollen. Da war aber einer erleichtert!

Manchmal ist allein sein nicht so die Erfüllung…

Hier hatte ich erst mal genug erlebt, morgen geht es weiter.

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Pezz

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